Eissegeln

Obwohl Masurenland in der Nähe der Ostsee gelegen ist, herrscht hier ein deutlich kontinentales Klima. Als polnischer Kältepol und vor dem Krieg als deutsches Sibirien bezeichnet befindet sich diese Region, was die Wintertemperaturen angeht, in den Vorstellungen der Menschen aus dem Westen irgendwo am Rande der Arktis. Aber in der Wirklichkeit kam  es hier einerseits  zur Erwärmung des Klimas und anderseits hat man in dieser Region auch im Winter ein breites Angebot von touristischen Attraktionen vorbereitet, was den Masurenbesuch in den kalten Wintermonaten lohnenswert macht.

Eissegeln

Es wäre eine Sünde, von dem Geschenk Gottes – den Masurischen Seen, keinen Nutzen zu ziehen – nicht nur im Sommer, auch im Winter, wenn eine dicke Eisschicht die meisten Seen bedeckt.

Der erste Eissegelschlitten taucht in Giżycko/Lötzen schon 1897 auf.  Aber die richtigen Anfänge und die Entwicklung des Eissegelns in Masuren sind eng mit Georg Tepper verbunden. Dieser Holzsägewerksbesitzer, der in Ogonki/Ogonken bei Węgorzewo/Angerburg lebte, baute Eissegelschiffe unterschiedlicher Art, die als Ziel hatten, höchste Geschwindigkeiten zu erreichen. In seinem Werk entstand unter anderen das populärste Eissegelboot der Zwischenkriegszeit, der XV-Monotyp, die im Jahre 1932 von einem bekannten estnischen Segler und Konstrukteur Erick von Holst entworfen wurden.

Der XV-Monotyp ist für 2 Personen geeignet.  Der Steuermann befindet sich in einer Sitzposition. Die Segelfläche beträgt 15 qm,  die Masthöhe  7,5 Meter. Die Kufen sind bei diesem Modell 4,5 Meter lang. Mit diesem Segelboot entwickelt man Geschwindigkeiten zwischen 40 und 80 km pro Stunde, aber man hat auch Rekordgeschwindigkeiten  von 140 km/h gemessen. Diese Konstruktion wird noch bis heute in Polen, Deutschland, Estland, Schweden, Lettland und in Holland benutzt.

Georg Tepper war einer der 5 Pioniere des deutschen Eissegelsports. Auf seine Initiative hin hat man im Deutschen Segelverein eine separate Eissegelabteilung gegründet, die sich mit Baufortschriften und Klassifizierung der Eissegelboote beschäftigt hat.   Er war Mitgründer der Europäischen Eissegel Union, die dank seinen Hinweisen Święcajno/Schwenzaitsee  als bestgeeignete Stelle in Europa für Eissegelregatta gefunden hat.

Mit großer Hilfe der lokalen Behörden hat man die „Angerburger Eissegelwoche“ ins Leben gerufen. Als erster Termin der Regatta hatte man Ende Februar 1929 vorgeschlagen. Jedoch musste man wegen der großen Schneemengen die Veranstaltung auf Ende März verlegen. Letztendlich stellte man fest, dass dieser Monat am Besten für diesen sportlichen Wettbewerb geeignet ist. Das waren die zahlreichsten Segelregatten der Zwischenkriegszeit.  Im Rekordjahr 1936 versammelten sich hier 120 Segelboote unterschiedlicher Bauart. Neben der Regatta in Klassen 10, 12, 15 qm und Monotyp XV, war hier der so genannte 8,5 qm „Eispirat“ vertreten, der für die jüngsten Segler geeignet war. Die Regatten organisierte man hier bis 1943 mit einer Pause im Jahre 1939, als der warme Winter kein Eis in die Region brachte. 1940 gewinnt Tepper hier als Steuermann der 12qm Eisyacht „Reckeckeck“ die Deutsche Meisterschaft.  Er hat hier in Masuren auf seinem Segelboot „Feuervogel“ den Geschwindigkeitsrekord auf 170 km/h festgesetzt.

Nach dem 2.Weltkrieg wird der XV-Monotyp durch DN Eisyacht ersetzt. Das ist ein leichtes Segelboot, das für eine Person geeignet ist. Es ist einfach im Bau und Transport, was wichtig ist, wenn man  neue Segelgebiete sucht. Unten einige technische Daten der heute international populärsten Klasse:

Der Schwenzaitsee hat nach dem Krieg deutlich an Ansehen  verloren. Die Segelregatten hat man hier jedoch bis in die 60-er Jahre organisiert.

Eine Rückkehr im großen Still

Im Jahre 2003 – 30 Jahre nach der letzten Eissegelregatta wollte die Węgorzewskie Towarzystwo Ludowe (Angerburger Volksverein) die Klasse XV-Monotyp reaktivieren und eine Regatta organisieren. Auch Fritz Schwarz, ein Eissegler, der in Kal (Kehlen) auf die Welt kam, und nach langer Abwesenheit in alte Heimat zurückkehrte, konnte nicht verstehen, warum ein so einwandfreies Seegebiet leer ist und keine sportlichen Wettbewerbe organisiert werden. Zusammen mit dem Angerburger Volksverein hat er die erste Eissegelregatta nach 30 Jahren veranstaltet. Fritz Schwarz, selbst ein Segler hat seine eigenen Pokale als Preise gestiftet. Es starteten Eisyachten der Monotyp- und DN- Klasse. Seit dieser Zeit finden sie jedes Jahr statt. Auch im Februar 2005 konnte man die Segler und ihre schöne Eissegelboote in Masuren wieder bewundern.

Mach es mit!

Man muss kein Superman sein (obwohl Stärke bestimmt nicht schadet), um Eissegler zu werden. Das lernt sich ziemlich schnell und einfach. Der Eisyacht der Monotyp – Klasse kostet 150 Złotys pro Tag und der DN Klasse 100 Złotys. Es werden hier auch Kurse für Segler und Steuermann organisiert. Die Kurskosten betragen 500 Złotys. Auch der Weg zur Welt der Profis steht offen. Nach ein paar Jahren kann man schon an ersten Meisterschaften teilnehmen. Die Saison dauert hier 3 Monate von Januar bis März.

Tauchen

Ich kann schon erstaunte Leser sehen, die sich wundern, warum wir hier unter Winterattraktionen das Tauchen erwähnen. Gleich nennen wir aber einen wichtigen Grund dafür. Das Wasser in den masurischen Seen ist in dieser Jahreszeit sehr durchsichtig, weil keine Algen die Sicht trüben. Man kann ohne weiteres die Unterwasserwelt bis ca. 10-12 Meter Tiefe beobachten. Als für das Tauchen am Besten geeignet gilt der Mauer See. Um genauer zu sein, sein nördlicher Teil in der Nähe des Dorfes Przystań/Pristanien. Sogar im Sommer reicht hier die Sichtweite bis zu 7 Meter, was für masurische Verhältnisse schon als gutes Ergebnis gelten kann. Die Tiefe des Gewässers erreicht 40 Meter. An den seichten Stellen im See kann man Hechte, Barsche und sogar manchmal Aale  bewundern.  Auf dem Seegrund wurde eine spezielle Hindernisbahn errichtet. Sie besteht aus Metall, Holz und Reifen, die  zusammen eine Wasserstrecke besonderer Art bilden.

Masurische Titanic
Als Hauptattraktion dieses Gewässers gilt ein auf 33 Meter Tiefe versunkenes Schiff namens Arabella. Dieser aus Stahl gebaute 12 Meter lange Zweimaster mit einem hölzernen Bugspriet macht, wie Taucher bestätigen, einen großen Eindruck. Ursprünglich sollte er als englischer Landungskutter im 2.Weltkrieg dienen. Nach dem Krieg fuhr er in Masuren. 1939 kam die Entscheidung, ihn zu verschrotten. Die Matrosen der Weißen Flotte und die Taucher aus Lötzen nutzten diese Gelegenheit, um ihren Traum von einem masurischen Wrack zu verwirklichen und versenkten das Schiff.  Jetzt wartet es ruhig auf dem Seegrund auf die neuen „Entdecker“

Angelsport

Eis bedeckt die masurischen Seen anfangs Dezember und bleibt manchmal bis Ende April. Das bietet natürlich gute Bedingungen für Angelfischerei. Die meisten Angler die es einmal im Winter versucht haben, bleiben ihrem Hobby jahrelang treu.

Beim Eisangeln ist die Kleidung sehr wichtig. Auf dem gefrorenen See ist es oft sehr kalt und windig. Am besten ist, mehrere Kleidungsschichten anzuziehen. Das ermöglicht jedem sich an wechselhafte Wetterbedingungen anzupassen. Was wir tragen sollte auch nicht zu eng sein, damit wir uns normal bewegen können. Die moderne warme, leichte und wasserfeste Outdoor – Kleidung, die man heute kaufen kann, ist dafür am Besten geeignet.

Es sollte dabei nicht vergessen werden, dass man laut den Vorschriften nur mit einer Angel fischen darf. Verboten ist es auch, tote oder lebendige Fische als Köder zu verwenden. Der Durchmesser von einem Eisloch darf nicht größer als 20 cm sein. Zwischen den Eislöchern muss eine Entfernung von mindestens 1 m und zwischen 2 Anglern mindestens 10 m eingehalten werden. Die Eisschicht sollte laut den Empfehlungen mindestens 10 cm dick sein. Man muss die gefangenen Fische gleich nach dem Fang töten. Verboten ist es auch, in der Nacht zu angeln.

Neben den von uns vorgestellten Attraktionen gibt es hier eine ganze Reihe von unterschiedlichen Unterhaltungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Skifahren oder gemeinsame Schlittenfahrten mit Lagerfeuer. Es lohnt sich auf jedem Fall, Masuren im Winter zu entdecken! Diejenigen, die das einmal gemacht haben, kehren immer wieder zurück.

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